Dorothee Sölle (1929-2003)
Christentumsgeschichte(n) aus mystisch-politischer Sicht - Resonanzen für heute
Dorothee Sölle war eine der wirkmächtigsten Feministinnen und Friedenskämpferinnen in der evangelischen Kirche – und eine der wenigen politischen Theologinnen. Die biblische Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde war ihr Lebensthema. Sie erlaubte sich, den Frommen die Politische, den Politischen die Fromme, den Bischöfen die Kirchenstörerin und den Entkirchlichten die Kirchenliebende zu sein, so formuliert ihr Ehemann und Theologe Fulbert Steffensky.
Ob im Hörsaal in New York oder in überfüllten Kirchentagsforen, bei Demonstrationen vor US-amerikanischen Nuklear-Raketensilos oder am Schreibtisch zu Hause: Zeitlebens hat Dorothee Sölle ihre prophetische und poetische Stimme erhoben. Vielen Menschen, vor allem auch Frauen, gilt Sölle als zeitgenössische Mystikerin. Nicht nur die politischen Nachtgebete in Köln, sondern auch ihre Lyrik und Buchveröffentlichungen wie »Mystik und Widerstand: Du stilles Geschrei« (1997) zeugen eindrücklich davon.