Metropolen und Moderne
Städte in der Literatur des 19. Jahrhunderts
Im 19. Jahrhundert rückt die (Groß)Stadt ins Interesse der Literatur. Hier spiegeln sich die Errungenschaften und Erfahrungen der Moderne in all ihren Facetten, lassen sich neue Verhaltensweisen („Blasiertheit“, G. Simmel), Eroberungsstrategien und Figurentypen (Flaneur) erkunden und literarisch transformieren. Dabei beschränken sich z.B. Beschreibungen einer Stadt, ihrer Straßen und Gebäude nicht darauf, eine Handlung zu illustrieren, sondern sie steuern vor allem die Wahrnehmung auf eben diese modernen Phänomene, mit denen sich Besucher und Bewohner einer Stadt konfrontiert sehen. Als Ausdruck des technischen und kulturellen Fortschritts, der sozialen Verelendung, des Unheimlichen oder Bedrohlichen, der Erfahrung von Masse, Zusammenhalt, Isolation oder Gewalt ist der urbane Raum ein Ort der Möglichkeiten und der Reizüberflutung, ein Mikrokosmos der Welt mit all ihren Herausforderungen. In Romanen und Erzählungen entfaltet sich dieses Potential: Utopisch anmutende Gemeinschaften, labyrinthartige Architekturen und unübersichtliche Beziehungsgeflechte, inspirierende Aussichten von oben oder aus Ferne auf die Stadtwelt, in der sich neben Passagen, Warenhäusern und Boulevards auch alte Kirchen, Reklameschilder und Mauerreste als Zeugen der Vergangenheit präsentieren, finden sich nicht nur in den zu Beginn der vorletzten Jahrhunderts erstarkenden Metropolen Paris, London, Berlin oder Wien, sondern auch in der näheren Umgebung und in Texten zeitgenössischer Autoren und Autorinnen, die z.B. den Spuren weiblicher Flaneure und ihrer Perspektive auf das (Zusammen-)Leben im städtischen Raum der Gegenwart folgen.
Das diesjährige Literaturseminar lädt zu einer Erkundigung literarischer Stadttexte ein, die zum ziellosen Umherstreifen, zum Sehen und zum Staunen animieren.
Sonstige Hinweise:
Anmeldeschluss: 16.11.2026